Männiglich
Jahr sind vergangen, dass die Kumpaney Kramer Zunft und Kurtzweyl
zu letzten Mal Gast war im ehrwürdgen Kloster zu Maulbronn.
Hier wo deroeinst Doctor Faustus Obdach fand halten sie wieder Einzug
die Handwerksmeister voller Fleiß, redlich Handelsherren und
all die die Euch mit Speis und Trank verwöhnen. Denn es gilt:
Markttag ist Festtag!
Wo Festtag ist dürfen die nicht fehlen, die Euch des Alltags
Müh und Plag vergessen machen. Die Musici, die Euch die Ohren
umschmeicheln mit zarter und kraftvoller Melodey und bisweilen das
Tanzbein jucken lassen, dass selbst der Vogt nit anders kann als
sich im frohen Reigen mit zu drehen. Der Gaukler aber lässt
Euch die Münder vor Staunen offen stehen, bis die Vöglein
darin nisten. Auch für die Kindlein hat das Staunen nimmer End,
wenn beim Maustheatro possierlich Getier wahre Heldentat vollbringt.
Auch die dunklen Seiten jener
Zit sollen nit vergessen sein. Wenn der Schreckensschrei: „Es ist die Pest“ über den
Plan schallt und dunkle Gestalten, eingehüllt in Weihrauchschwaden,
den Schinderkarren über die Gassen ziehen und die Dahingerafften
zum Siechenacker schaffen. Doch in Klostermauern wartet Hülf
Barmherzigkeit und Heilkunst haben hier Heimstadt. Im Badhaus weiß man
so manch Gebrechen im Wortsinn wieder einzurenken und der Apothekarius
weiß welch Kräutlein wider jedwedes Zipperlein gewachsen
ist.
So sullt Ihr und Eure Kindlein
Lehrstund haben und wenn zum Guten Schluss der Nachtwächter
wohlbekannter Ruf ertönt könnt
mit Fug und Recht Ihr sagen, Ihr wart zu Gast in längst vergangener
Zeit.

Samstag 11 – 21 Uhr
Sonntag 11 – 19 Uhr
Eintritt 4,50 Euro, Kinder unter Schwertmaß frei
Die sullen Euch kurtzweylen
Filia Irata
3 Weiber, herrlich anzusehen, doch wie sie ihre Instrumenta tractieren,
lässt manchen Spielmann, jämmerlich dastehen. Da schrillen
Gralla und Dudelsack, Pauken und Donnertrummel dröhnen, als
ob Frau Musica die Urmutter wär. Wilde Melodey erfüllt
den Plan und kehrt das Oberste zu Unterst.
Lupus der Gaukler
Nie zuvor ward er hier gesehen und ob seiner Geschicklichkeit bleibt
Euch das Maul vor Staunen offen stehen. Doch habt Acht auf Eure
sunst so sittsam Töchterlin, denn wo er waltet vermag keine
ihm zu widerstehen.
Rod der Balbierer
Wer mit dem Schabmesser umzugehen weiß wie er, kann es auch
für so manch ander Ding nutzen. Wo es gilt Furunkel zu schneiden
oder Wunden zu verbinden da sucht man gerne seine Hülf und eins
sey euch versichert: Über den Löffel hat er noch keinen
balbiert!
Der Zuber
der Wölfin (Badehaus)
Wer hätt schon in heimisch Kemenaten ein eigen Zuber, der Reinlichkeit
zu pflegen, insbesunder vor hohen Festen der heilgen Mutter Kirch.
Wenn es gilt nit nur die Seele bei der Ohrenbeichte sondern auch
den Leib rein zu waschen, dass allein der Duft von Weihrauch das
Kirchenschiff durchzieht. Da ists ein Glück dass allhie die
Baderin obwaltet. Auch muss man jene Verrichtung nit trübselig
und allein verbringen wo man mit manch Magd und Gesell den Zuber
und die Atzung teilt. Doch damit nit genug, verstehen Baderin und
Knecht sich doch meisterlich aufs Walken und wer so unter ihre Händ
gerät, dem ists als höre er die Englein singen.
Das Maustheatro Parsival
Wo die Schauspieler Prinz Albert vom Knopfaug, oder Prinzessin Seidenweich
heißen, da erwarten Euch und Eure Kindelein possierlich Spectacel.
Doch wenn der Prinz durchs Feuer geht, da hat das Staunen kein
Ende mehr.
Der Marktvogt
Wo Ihr Festtag habt ist er der Ordo strenger Hüter. Angetan
ist er im Purpurrot der Obrigkeit und niemand hat Ihn mehr zu fürchten
als die Spielleut sind sie ihm doch des Tuffels Sendboten.
Der Büttel
Handlanger der Obrigkeit, doch durchaus mit eignem Sinn. So zieht
er nimmer müde seine Bahnen über den Plan. Hoch ragt
seine Hellebarde allüberall zu sehen so ist er eher Hüter
der kleinen Lässlichkeiten, als grauser Vollstrecker der Willkür
seines Herren.
Der Henker
Nit umsonst der grause Rüdiger genannt errichtet er das Blutgerüst.
Nimmer wird er müde jedwedem seine Instrumentarien zu erklären,
doch fürchten muss ihn nur der, der Schuld auf sich geladen.
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