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Als
Residenz erglänzet Marburg AD 1470. Landgraf Heinrich III -
nicht umsunst wird er ob kluger Heirat auch der Reiche geheißen
- residiert im auf prächtigste herausgeputzten Schlosse. Da
soll auch der Untertan nicht leiden. Am Markttag mag er das Aug
sich übergehen lassen an all der Herrlichkeit aus mancher Herren
Länder, wohlfeil präsentieret von weitgereister Kaufmannschaft.
Mit Kennerblick mag er das Werk der tüchtgen Meister prüfen
und schaun, ob die
Kochkunst seines Weibes den Vergleich mit der der fahrend Küchenmeister
halten kann.
Wo viel Volk sich versammelt, da
hört man auch das Murren, die Unzufriedenheit. Man spüret
förmlich auch den Grimm ob manch erlittnen Unrechts. Der Landgraf
will sein Ohr den Klagen seiner Landeskinder nicht verschließen.
Im Gegenteil, er hat die Diener der Justitia gebeten, dass Recht
gesprochen sei nicht in den engen Schranken des Rathauses, nein,
auf dem Markte vor den Augen des gemeinen Volkes.
Der Büttel soll die Deliquenten
binden, der Fürsprech mildernd Umständ finden, der Henker
peinlich auch befragen, der Vogt, der wird ein Urteil sagen vom
hohen Richterstuhle her, dem Schelmen zur Straf, dem Volk zur Lehr.
Und dass die Schreckenslaute
sich in freudig Jauchzen kehren, dafür erklingen kurzweilig
Melodein zum frohen Reigen. In sicherer Distanz zum strengen Vogte
betreiben Gaukler und Spielleut von Terra Hossa ein gewaltig Hallodri
Euch zur Lust. Insonders die Kindlein sind zum Turney gebeten und
mögen sich am Spiel des Drachen Floritzel im Puppenspiel ergetzen.
Und welches von ihnen von Burgen und von Rittern mehr erfahren will,
das kann sich kundig machen bei der Führung auf dem Markte
wie auch im Lager auf dem Anger.
Kurzum: Vergnügliches ist soviel geboten, dass dieses kleine
Blatt nicht reichet alles zu notieren.
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Zu Eurem Nutz und Frommen sind versammelt
an der Stätten ... |
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die Obrigkeit
Gestaltgewordenes Gesetz sind sie, Vogt Leo, Fürsprech Justus,
Büttel Molinarius und Henker Rüdiger, ein Schrecken den
Ganoven allenthalben. Als treuliche Sachwalter ihres Herrn und aller
frommen Bürgerschaft werden sie zu Gerichte sitzen.
Mit offnem Ohr und weisem Sinn wollen sie die Wirrnis ordnen und
dem Hader ein End setzen, der durch Unverstand und Boshaftigkeit
in Marburg ist entstanden. Den Spitzbuben jedoch wird Straf zuteil,
wie sie es verdienet hätten.
... die Buhlen der
Lustbarkeit
Terra Hossa mit ihrem gross Trara sind der Obrigkeit nicht lieb.
Dem gemeinen Volk aber sind sie ein Labsal. Mit ihren Gaukeleien
werden sie Euch Freudentränen in die Augen treiben, als Musikanten
Euch die Lahmheit aus den Knochen jagen. Kein Schabernack ist ihnen
fremd.
Kurtzweyl
Als Herold und Spielleut ziehen sie umher, dem Volk zu künden,
was die Obrigkeit zur rechten Ordo auf dem Markt gebietet. Sie werden
jedermann ergetzen, dem Adel mit der höfisch Melodei gefallen,
den Frommen mit erbaulich Weisen, dem Volk mit allerlei Ergötzlichkeit.
... der Kindlein Lehr
und Freudenquell
Puppentheatro Pulcinella Eine treffliche Prinzipalin ist sie für
alle die hölzernen Figuren, die Kobolde, Drachen, Fabelwesen.
In ihrer Hut und begleitet auch durch Rat und Tat der Kinder, lernt
Floritzel, der kleine Drache, wie man so manches Abenteuer besteht.
Und was dem Kürbiskobold Balthasar im Mondenschein passiert,
das ist ein spannendes Spektakel für alle Kindlein, welche
mehr als drei Lenze zählen.
Turney der Kindlein Früh übet sich, was dereinst soll
ein Meister werden. Im ritterlichen Spiel und höfischem Gebaren
messen sich unter der Obhut des mild gestimmten Vogtes, des Herolds
und des wackren Molinarius die Knaben wie die Mägdelein.
Beim Mittelalter zum Anfassen sind spannende Geschichten zum Leben
der Handwerksleut, der Gaukler und auch des grimmigen Henkers garantiert.
Christiane Peters zeigt kleinen Naseweisen und großen Schlaubergern
alles auf dem Markte, was sie schon immer wissen wollten und noch
manches mehr.
„Mittelalter zum Anfassen“ / 2 € / Anmeldungen
und Info bei doubleÜ Tel. 06421 889355
... der Ritter Lagerschaft
und Tafeley
Den Marktfrieden zu sichern wird die Ritterschaft vom Uhlenhorst
zu Betziechendorp ein Lager an der Stätten richten, woselbst
ein jeder sich von der Schlagkraft der Waffenknechte überzeugen
und mancherlei Kunstfertigkeit bewundern kann.
Auch die Freye Ritterschaft von Mellnau gibt sich ein Stelldichein
und lädt zur feierlichen Tafeley mit köstlich Atzung,
Pir und mancherlei Allevanz.(Für gewandete Teilnehmer/ Obolus/
Anmeldung erforderlich)
... die Schäferei
beliebt bei groß und klein ist Schäfer Ingo nebst Schaf
im Pferch und Eselein, mit frohem Wort und Sang am Lagerfeuer.
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